© Stadtarchiv Bregenz

Rosshimmel

Wo früher der Abdecker die verendeten Pferde in den „Rosshimmel“ befördert hatte, steht heute die Tischlerei Reichart. Hinter der beschönigenden Bezeichnung „Rosshimmel“ verbirgt sich nichts anderes als der Bregenzer Schindacker, also jener Ort, wo man das tote Vieh gehäutet und die Kadaver verscharrt hat.

In Bregenz war im Mittelalter und in der frühen Neuzeit der Scharfrichter auch als Abdecker tätig. Denn aus den Einkünften des Strafvollzugs allein war der Lebensunterhalt nicht zu bestreiten. Es war ja schließlich nicht jeden Tag jemand hinzurichten, „auszustreichen“ (auszupeitschen) oder „peinlich zu befragen“ (zu foltern). Dem Bregenzer Scharfrichter war aufgetragen, einem verendeten Tier unverzüglich die Haut abzuziehen und den Kadaver auf dem sogenannten Wasenplatz oder Schindacker zu verscharren. Der Bregenzer Wasenplatz, der „Rosshimmel“, lag weit außerhalb der Stadt auf Riedner Gebiet. Die Riedner hatten diese Örtlichkeit der Stadt Bregenz 1666 unter der Auflage verkauft, dass auch sie und die Vorklöstner dort ihr Vieh vergraben durften. Ursprünglich war der Wasenplatz von Wald und Gebüsch umgeben und somit von den umliegenden Viehweiden und Äckern gut abgeschirmt. Später wurde eine Mauer als Sichtschutz errichtet. Seit dem ausgehenden 18. Jahrhundert häuften sich die Klagen über den baufälligen Zustand von Mauer und Wasenmeisterhütte und über den Gestank, der von den aufgehängten Tierhäuten ausging.

Bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts zählten Scharfrichter und Abdecker zu den sogenannten unehrlichen Leuten. Aufgrund ihrer Tätigkeit war ihnen und ihren Kindern der Zugang zu einem Handwerksberuf verwehrt. Ihre Kenntnisse der tierischen Anatomie waren freilich immer gefragt. Es ist häufig bezeugt, dass Scharfrichter als Tierärzte oder Gutachter in veterinärmedizinischen Fragen tätig waren.

Thomas Klagian

Standort

Galerie

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Rosshimmel und Kronhalde, 1969

Rosshimmel und Kronhalde, 1969

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Rosshimmel, Abdeckerei (heute Im Rosshimmel 21), 1952

Rosshimmel, Abdeckerei (heute Im Rosshimmel 21), 1952

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Verendetes Pferd auf der Römerstraße, um 1916

Verendetes Pferd auf der Römerstraße, um 1916

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