© Elfriede Bork

Randsiedlungen

Der austrofaschistische Ständestaat forcierte 1934 bis 1938 den genossenschaftlichen Siedlungsbau. In diesen Jahren entstanden in vier Bauetappen die Randsiedlungen oder Stadtrandsiedlungen an der Stoppelfeldgasse, der Prälatendammstraße, der Achsiedlungsstraße und der Kehlerstraße, insgesamt 111 Häuser.

Als die österreichische Bundesregierung 1934 die „Nebenerwerbssiedlungaktion“ ins Leben rief, begründete Heinrich Wachter die Bregenzer Siedlungsbewegung. Der gelernte Stuckateur wurde zum Obmann der Siedlungsgenossenschaft Eigenheim Bregenz bestellt und war als Landtagsabgeordneter der politisch zuständige Referent.  Nach ihm ist der Heinrich-Wachter-Weg benannt. Die Satzungen des Bundes-, Wohn- und Siedlungsamts regelten, wie ein sogenanntes Nebenerwerbssiedlungshaus auszusehen hatte. Die Baugrundstücke hatten mindestens 1.000 Quadratmeter groß zu sein und das Haus durfte nicht mehr als 80 Quadratmeter Wohnfläche aufweisen. Die Bauwerber mussten mindestens zwei Kinder haben (mit Ausnahme frisch vermählter Paare) und einen Teil der Kosten durch Eigenarbeitsleistungen auf der Baustelle (1.500 Stunden) einbringen. Diese Siedlungsaktion diente zwei Zielen: Zum einen wurde billiger Wohnraum geschaffen, zum anderen hatten junge Männer und Frauen in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit eine sinnvolle Beschäftigung. Die Entwürfe für das Bregenzer Randsiedlungshaus stammten vom Architekten Helmut Keckeis.

Die Häuser wurden von den Bauwerbern genossenschaftlich, also gemeinsam errichtet. Bauholz konnte aus dem nahe gelegenen Auwald der Bregenzerach bezogen werden. Zunächst wusste niemand, welches Haus einem gehören würde – in der Absicht, dass sich alle bei jedem Haus gleich viel Mühe geben und gute Arbeit leisten würden. Nach Fertigstellung wurden die einfach gehaltenen Häuser verlost. Zu jedem Haus gehörte ein kleiner Garten, in dem Gemüsebeete angelegt und Obstbäume und Beeren angepflanzt wurden. Hühner und Hasen fand man bei fast jedem Haus, manche hielten auch ein Schaf oder eine Ziege. Das Obst wurde eingeweckt oder im Dachboden getrocknet. Man konnte sich also mit Hilfe des eigenen Grundstücks fast selber ernähren.

Günther Willi / Karin Bialek / Thomas Klagian

Standort

Galerie

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Randsiedlungen, 1934

Randsiedlungen, 1934

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Randsiedlungen, 1935

Randsiedlungen, 1935

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Randsiedlungen, 1952

Randsiedlungen, 1952

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