© Klosterarchiv Mehrerau

Mehrerau

Die Geschichte des Benediktinerklosters Mehrerau beginnt nicht in Bregenz, sondern in Andelsbuch im Bregenzerwald. Der dort um 1085 gegründete Konvent hatte aber bald mit Versorgungsschwierigkeiten zu kämpfen, da das Kloster nur auf schlecht befestigten Wegen zu erreichen war. Deshalb wurde das Kloster zwischen 1094 und 1097 nach Bregenz in die Au am See verlegt. Die historischen Namensformen der Mehrerau lauten: im 12. und 13. Jahrhundert „Kloster Bregenz“, bis etwa 1540 „Kloster Bregenz in der Au“, danach „Kloster Mehrerau in Bregenz“. Der Name Mehrerau oder „Augia maior“ diente zur Unterscheidung von der „Augia minor“, von der minderen, weil jüngeren Au, dem Kloster Weißenau bei Ravensburg.

Getreu dem benediktinischen Motto „ora et labora“ – „bete und arbeite“ hat sich die Mehrerau bleibende Verdienste bei der Urbarmachung ihrer Besitzungen erworben. Eine Urkunde aus dem Jahr 1249 nennt insgesamt 60 Orte, in denen das Kloster begütert war. Das Vorkloster war zur Gänze mehrerauisch. Das Kloster bewirtschaftete seinen Grund und Boden selbst oder gab ihn an Bauern zu Lehen aus. Der Bauer durfte das ihm zugewiesene Land bewirtschaften, schuldete aber dem Kloster im Gegenzug bestimmte Abgaben und Leistungen.

Das 17. und das 18. Jahrhundert waren die Blütezeit der alten Mehrerau. Abt Placidius Viggel ließ eine eigene theologische Hauslehreranstalt einrichten. Pater Franz Ransperg erwarb sich Verdienste als Historiker. Pater Apronian Hueber befasste sich mit der Ordensgeschichte und stand mit zahlreichen Gelehrten seiner Zeit in Briefkontakt. Abt Franz Pappus von Laubenberg verfasste theologische Schriften und dichtete zum Ausgleich Komödien.

Auf den Höhepunkt folgte das jähe Ende. 1806 hob die bayerische Regierung – Vorarlberg gehörte von 1805 bis 1814 zum Königreich Bayern – die Mehrerau auf. Ende des Jahres 1808 wurde die nicht einmal 70 Jahre alte Barockkirche abgerissen. Ihre Innenausstattung wurde zum Teil an andere Kirchen verkauft, das Chorgestühl kam in die Stadtpfarrkirche St. Gallus. Die Bestände der Klosterbibliothek wurden verscherbelt oder verbrannt. Das Klostergebäude diente zeitweise als Kaserne, Druckerei und Fabrik oder stand leer.

Im Jahr 1854 ließ sich der Konvent der 1841 im Schweizer Kanton Aargau aufgehobenen Zisterzienserabtei Wettingen in der Mehrerau nieder. Der Konvent heißt seit damals Wettingen-Mehrerau. „Non mergor“ – „Ich gehe nicht unter“ lautet der passende Wahlspruch, den die Zisterzienser nach Bregenz mitgebracht haben.

Thomas Klagian

Standort

Galerie

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Kloster Mehrerau, 1721

Kloster Mehrerau, 1721

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Kloster Mehrerau, um 1795

Kloster Mehrerau, um 1795

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Klosterkirche Mehrerau, um 1800

Klosterkirche Mehrerau, um 1800

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Mehrerau, 1840

Mehrerau, 1840

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Klosterkirche um 1865, vor Fertigstellung des Kirchturms 1872

Klosterkirche um 1865, vor Fertigstellung des Kirchturms 1872

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Kloster Mehrerau, um 1865, vor Fertigstellung des Kirchturms 1872

Kloster Mehrerau, um 1865, vor Fertigstellung des Kirchturms 1872

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Kloster Mehrerau, um 1880

Kloster Mehrerau, um 1880

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