© Stadtarchiv Bregenz

Landspital

Im Mittelalter war die Lepra auch in Europa eine weitverbreitete Krankheit, gegen die es kein Heilmittel gab. Die einzige Möglichkeit, sich vor einer Ansteckung zu schützen, sahen die Menschen darin, die Erkrankten zu separieren, sie also an einem Ort unterzubringen, der weit entfernt von den Siedlungen lag.

Die aus der Wohngemeinschaft ausgewiesenen Leprakranken bezeichnete man als Sondersieche (abgesonderte Kranke), als Feldsieche (im Feld lebende Kranke) oder als Leprose. Davon leiteten sich die Bezeichnungen Siechenhaus und Leprosenhaus ab.

Das Bregenzer Siechenhaus lag weit abseits von jeder Siedlung am Siechensteig. Es wird im Jahr 1400 erstmals erwähnt und geht in seinen Anfängen vermutlich in die erste Hälfte des 14. Jahrhunderts zurück. Wurde jemand verdächtigt, an der Lepra erkrankt zu sein, musste er sich der ärztlichen Siechenschau unterziehen. Wenn sich der Verdacht bestätigte, verlor der Kranke seine Freiheit und wurde ins Siechenhaus eingewiesen. Sein Eigentum wurde beschlagnahmt und floss in die Leprosenstiftung, die dem Erhalt des Siechenhauses diente. Die sieben Landgerichte Hofsteig, Lingenau, Alberschwende, Sulzberg, Grünenbach, Simmerberg und Hofrieden waren an der Leprosenstiftung beteiligt.

Um 1600 geriet das Siechenhaus in finanzielle Schwierigkeiten. Als sich die sieben Landgerichte mit der Stadt Bregenz nicht darauf einigen konnten, wie die Kosten aufgeteilt werden sollten, erhielten sie 1614 die Erlaubnis, ein eigenes Siechenhaus in unmittelbarer Nähe zu errichten. Das war die Geburtsstunde des Landleprosenhauses, des späteren Landspitals. Mit dem endgültigen Erlöschen der Lepra in Mitteleuropa spätestens zu Beginn des 18. Jahrhunderts wandelten die Leprosorien ihren Charakter. Sie wurden zu Armenhäusern und Spitälern. Im Landspital, wie das Landleprosenhaus nun hieß, wurden Menschen untergebracht, die an unheilbaren und ansteckenden Krankheiten litten: an Krebs, Tollwut, Syphilis (oder anderen Geschlechtskrankheiten), bösartigem Flechtenausschlag, Skorbut, Epilepsie, Wahnsinn und an übelriechenden Geschwüren. Es ging nicht darum, die Kranken zu heilen, sondern sie von den Gesunden fernzuhalten. Von 1901 bis 2002 diente das Landspital als Versorgungshaus für sozial schlechter Gestellte und als Altersheim. 2010 wurde das Landspital abgerissen.

Thomas Klagian

Standort

Galerie

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Landspital, 1965

Landspital, 1965

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Landspital 1969

Landspital 1969

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Landspital 1992

Landspital 1992

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Landspital

Landspital

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Landspital, 2004

Landspital, 2004

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