© Stadtarchiv Bregenz

Henna Resl

Über die „Henna Resl“ kursieren im Vorkloster viele Geschichten und Gerüchte. Viele aus der älteren Generation wollen die mit ihren Hühnern in einem Verschlag lebende Frau aus ihrer Jugendzeit kennen. Wir geben hier einen Artikel von Antje Jäger in den Vorarlberger Nachrichten aus den 1980er-Jahren wieder. Eine Frau, die der Henna Resl in jungen Jahren oft begegnet ist, hat diesen Artikel aufbewahrt und uns zur Verfügung gestellt.

Erinnerungen an ein Original aus Bregenz-Vorkloster: Dort wo heute die „Siedlung an der Ach“ einige tausend Menschen beherbergt, lebte in den fünfziger und sechziger Jahren eine echte „Aussteigerin“. Aussteiger kennen wir auch heute – ohne diese taxieren zu wollen, muss doch bemerkt werden, dass diese zumeist über elektrischen Strom, Auto, fließendes Wasser und andere als selbstverständlich geltende Dinge verfügen. „Hennaresl“ war da ihrer Zeit als „Aussteigerin“ kompromisslos weit voraus. Sie existierte unter heute kaum vorstellbaren Bedingungen in einer aus Abfallholz zusammengenagelten Hütte. Da war kein Herd, kein Wasserhahn, da war nicht einmal ein Fußboden. Gekocht wurde im Freien – das Futter für Hühner und Hasen sowie das eigene – im selben Topf. Einwohner mittleren Alters von Vorkloster vermögen sich noch daran erinnern, wie „Hennaresl“ mit einem zum Transportmittel umfunktionierten Kinderwagen sämtliche Mülleimer nach noch Ess- und Verwertbarem selektionierte. Wenn man sich vorstellt, dass sich die Wegwerfgesellschaft zur damaligen Zeit noch in einem frühembryonalen Stadium befand, vermag man zu ermessen, wie schwer es war, sich von diesen spärlichen Abfällen der Gesellschaft über Wasser zu halten. „Hennaresl“ – der Name stammt von ihrem buchstäblich hautengen Zusammenleben mit ihren Hennen – hieß mit bürgerlichem Namen Theresia Krapf und war am 30. April 1887 in Angerberg bei Schwaz/Tirol geboren. Als diplomierte Krankenschwester hat sie beide Weltkriege mitgemacht und wohl ihre Lebenserfahrungen gelebt, bevor sie zur „Aussteigerin“ wurde. Resl war im erreichten Alter von 79 Jahren noch intellektuell wach und eines ihrer Talente war das Zeichnen. Es musste wohl ein gravierendes Ereignis in ihrem Leben eingetreten sein, das sie zur beschriebenen Lebensweise trieb und in Lumpen gehen ließ. Das Wissen um dieses Ereignis hat sie am 4. Juli 1966 mit ins Grab genommen. Sie wurde von einem Auto auf der Bregenzer Rheinstraße überfahren. Nach ihrem Tod ging das Gerücht, Resl habe bei ihrer Hütte Ersparnisse vergraben. Einige geldgierige Zeitgenossen versuchten, diesen Schatz durch Graben von Löchern zu heben. – „Hennaresls“ Wühlen im Müll war da zweifellos ehrenhafter. (Mit freundlicher Unterstützung von BH und Meldeamt Bregenz.) Antje Jäger

Günther Willi / Karin Bialek / Bettina Gorbach

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Henna Resl, Vorarlberger Nachrichten

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Henna-Resl

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Henna Resl, Vorarlberger Nachrichten, Antje Jäger

Henna Resl, Vorarlberger Nachrichten, Antje Jäger

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Hennaresl, Antje Jäger, Vorarlberger Nachrichten

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