© Ernst Möller

Funkenbühel

Bis zum Jahr 2000 wurde der größte Bregenzer Funken auf einer Wiese am Funkenbühel in Rieden abgebrannt. Die Städtler hatten offenbar keinen eigenen Funken. Man konnte dem Funken von der Straße aus zusehen, oder man stieg ein paar Meter zum Funken hoch – bei schlechten Bodenverhältnissen eine Herausforderung. Ein Seil, an dem man sich festhalten konnte, erleichterte die „Kletterpartie“.

Funkenbrauchtum und Fasnacht sind nicht voneinander zu trennen. Der Funkensonntag fällt auf den Termin der sogenannten „Alten Fasnacht“. Die Fasnacht ist der Abend, der der vierzigtägigen österlichen Fastenzeit vorausgeht. Ursprünglich zählten auch die Sonntage zur Fastenzeit. Erst im 11. Jahrhundert setzte sich die Ansicht durch, dass die Sonntage als Gedächtnistage der Auferstehung Christi nicht als Fastentage zu gelten hätten. Da die Sonntage nun wegfielen, die Anzahl der Fastentage jedoch gleichblieb, rückte der Termin der Fasnacht vom Sonntag auf den Dienstag der Vorwoche. Somit beginnt die österliche Fastenzeit heute offiziell am Aschermittwoch. Die „Alte Fasnacht“ blieb aber in den alpinen Gegenden als Funkensonntag Bestandteil des fasnächtlichen Brauchtums.

Das älteste Zeugnis zur Bregenzer Fasnacht liegt für das Jahr 1573 vor. Damals lieferten sich die Bregenzer auf dem zugefrorenen Bodensee eine Fasnachtsschlacht. Man ging aufeinander los, ohne dass dabei jemand zu Schaden gekommen wäre. Fackeln ersetzten die Waffen. Von diesem ritualisierten Kampf, bei dem das Feuer eine wichtige Rolle spielte, erwartete man sich einen positiven Einfluss auf das Wachstum der Früchte. Das wilde Fackelschwingen der Fasnachtsschlacht fand seine Fortsetzung im Funkenbrauchtum.

Die älteste Beschreibung eines Funkens stammt aus dem Bludenzer Raum und datiert aus dem Jahr 1765. Der Funken bestand damals aus einer gefällten Tanne, die an anderer Stelle wiederaufgerichtet, mit Brennmaterial umwunden und angezündet wurde. Die Tanne verkörperte wohl den Vegetationsgeist, der – weil alt und schwach geworden – erneuert werden musste, indem man ihn tötete. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Funken zu symbolischen Hexenhinrichtungen umgeformt, als der eigentliche Sinn schon längst nicht mehr bekannt war. Die Hexe stand für das Böse, das man mit Feuer vernichten konnte. Ursprünglich ging es aber beim Funken nicht um die Vernichtung, sondern im Gegenteil ums Leben, nämlich um die Neubelebung der Natur im Frühling.

Wie weit der Funkenbrauch in Bregenz zurückreicht, lässt sich nicht eruieren. Dass 1929 die neue Straße am Stein „Funkenbühel“ benannt wurde, legt die Vermutung nahe, der Funken habe damals schon eine gewisse Tradition besessen. Organisiert wurde der Riedner Funken vom Verschönerungsverein Vorkloster-Rieden, der seit etwa 1970 von der Feuerwehr Rieden unterstützt wurde. 2001 wurde der Funken aus sicherheitstechnischen Gründen auf den Parkplatz West verlegt.

Thomas Klagian

Standort

Galerie

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Funken, 1980

Funken, 1980

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Funken, 1980

Funken, 1980

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Funken, 1983

Funken, 1983

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