© Curt Huber

Baden

Baden ist nicht gleich Schwimmen. Denn Schwimmen konnte früher kaum jemand, auch dann nicht, wenn man, wie in unserem Fall, an einem See wohnte. Selbst die Schiffsleute, Flößer oder Fischer konnten in aller Regel nicht schwimmen. Erst mit dem Aufkommen der Militärschwimmschulen nach 1800 fand ein Umdenken statt. Bregenz hatte seit 1825 eine solche Badeanstalt, die heutige „Mili“. Und ab 1900 wurden Lehrpersonen angehalten, die Erstklässler mit dem ungewissen Element Wasser und dem Schwimmen vertraut zu machen.

Und im See gebadet hat man in Bregenz zu allen Zeiten, nachweislich seit dem 17. Jahrhundert. Im Jahr 1644 ließ der Bregenzer Stadtrat verlauten, man habe mit großem Missfallen vernommen, dass nachts im See gebadet würde und sich die Badenden dabei lärmend und ungebührend aufführten. Also beschränkte der Rat die Badezeit auf den Zeitraum von 8 Uhr bis 9 Uhr abends, also auf eine Stunde in der Dämmerung, wenn durch die einsetzende Dunkelheit die Badenden nur noch schemenhaft zu erkennen sind. Ob das Gebot gefruchtet hat, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Die Obrigkeit war stets um Sitte und Moral besorgt und wies deshalb noch bis ins 20. Jahrhundert Männern und Frauen eigene Badeplätze zu. Im Vorkloster durften die Männer bei der Rhomberg‘schen Dampfsäge baden (heute Strandbad) und die Frauen am sogenannten Schnabel bei der Schnabelburg (Strandweg 43). Im Bereich des Bilgeribachs standen einige private Badehütten, die mit regelrechten Zugbrücken vor unliebsamen Eindringlingen geschützt wurden. 1883 errichtete das Kloster Mehrerau ein Badehaus, das den Zöglingen des 1854 gegründeten Privatgymnasiums als Schwimmschule diente. Die Riedner Badeplätze lagen an der Bregenzerach, die vor ihrer Regulierung schöne Sandbänke und Buchten aufwies. Für die Frauen am Wuhrstein beim Storgele (heute Einmündung Zehenderweg in die Zehenderstraße), für die Männer das Gebiet von der Eisenbahnbrücke bis zur Achmündung.

Die Geschlechtertrennung ist Geschichte. Beliebte Badeplätze sind heute die Liegewiesen am Yachthafen und am Wocherhafen und die Sandplatte an der Bregenzerach. Und wer sowohl im See schwimmen als auch in einem Sportbecken seine Bahnen ziehen will, geht ins Strandbad.

Thomas Klagian

Standort

Galerie

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um 1916

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um 1916

um 1916

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Badeplatz nur für weibliches Geschlecht, um 1916

Badeplatz nur für weibliches Geschlecht, um 1916

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Badehütten am Bilgeribach, um 1950

Badehütten am Bilgeribach, um 1950

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Badehaus Kloster Mehrerau, um 1916

Badehaus Kloster Mehrerau, um 1916

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Badehaus Kloster Mehrerau, 1965

Badehaus Kloster Mehrerau, 1965

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