© Stadtarchiv Bregenz

Anton Renz

In den letzten Apriltagen des Jahres 1945 herrschte in Bregenz das Chaos. Die Stadt war voller Flüchtlinge und Verwundeter. Die militärische Lage des Deutschen Reiches spitzte sich zu, die Front und der Zusammenbruch rückten näher. Am 29. April überschritten französische Truppen die österreichische Grenze bei Hohenweiler. Die Versuche, Bregenz zu einer offenen Stadt (zu einer Lazarettstadt) erklären zu lassen, scheiterten.

In diesen Chaostagen strandeten der aus Bregenz stammende Pionierleutnant Anton Renz und zwei Freunde, Leutnant Helmut Falch aus Tirol und ein gewisser Leutnant Fitz aus Lustenau, in Bregenz und beschlossen zu desertieren. Als Anton Renz und Helmut Falch erfuhren, dass die Brücken über die Bregenzerach gesprengt werden sollten, verließen sie in den Abendstunden des 30. April ihr einigermaßen sicheres Versteck, Renz‘ Elternhaus in der Kehlerstraße, und begaben sich in Uniform zur Eisenbahnbrücke und zur Lauteracher Brücke. Dort probierten sie, den Sprengkommandos die Sprengung der Brücken auszureden. Beim Versuch, auch die Sprengung der Harder Brücke zu verhindern, wurden sie verhaftet und schließlich im Keller des Gasthauses Kreuz in Lauterach eingesperrt. Am Morgen des 1. Mai wurden sie von SS-Leuten herausgetrieben und erschossen. Die Leichen der beiden Ermordeten wurden in die Jauchegrube hinter dem Haus geworfen.

Um die Mittagstunden des 1. Mai erreichten französische Truppen den Kornmarktplatz. Sie rückten in eine brennende Stadt ein. Da mehrere Ultimaten, die Stadt kampflos zu übergeben, nicht erfüllt worden waren, wurde Bregenz beschossen und bombardiert. Für Bregenz war der Zweite Weltkrieg am 1. Mai zu Ende. Die Lauteracher Brücke war trotz der Bemühungen von Renz und Falch gesprengt worden und blieb bis zum 24. November unpassierbar. Am 8. Mai, an dem Tag, an dem die bedingungslose Kapitulation der Deutschen Wehrmacht in Kraft trat, wurden Anton Renz und Helmut Falch auf dem Friedhof Bregenz-Vorkloster beerdigt.

Im Gedenkjahr 1988, als sich der sogenannte Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland zum 50. Mal jährte, wurden in Bregenz mehrere Verkehrsflächen nach Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft benannt. Der Weg, der von der Lauteracher Brücke über die Zehenderstraße zur Eisenbahnbrücke führt, erinnert an Anton Renz und seine mutige Tat.

Thomas Klagian

Standort

Galerie

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Anton Renz

Anton Renz

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Gesprengte Lauteracher Brücke, Mai 1945

Gesprengte Lauteracher Brücke, Mai 1945

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Hölzernes Brückenprovisorium, 1945

Hölzernes Brückenprovisorium, 1945

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Hölzernes Brückenprovisorium, 1945

Hölzernes Brückenprovisorium, 1945

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Brückenprovisorium, 1945

Brückenprovisorium, 1945

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Brückenprovisorium, 1945

Brückenprovisorium, 1945

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