© Stadtarchiv Bregenz

Altes Vorkloster

Die Verlegung des Klosters Andelsbuch vom Bregenzerwald in die Au am See zwischen 1094 und 1097 leitete die Besiedlung des Vorklosters ein. Vor dem Kloster Bregenz, das später Mehrerau hieß, entstand ein Dorf entlang der Mehrerauerstraße. Das Vorkloster ist im Wortsinn die Siedlung vor dem Kloster.

Das alte Vorkloster war ein an der Mehrerauerstraße ausgerichtetes, lockeres Haufendorf, das aus etwa 25 Häusern bestand. Die Anzahl der Häuser blieb über die Jahrhunderte hinweg beinahe gleich. Zum Vorkloster und damit zum Kloster Mehrerau zählten auch die beiden ein wenig abseits gelegenen Weiler Reute und Schendlingen, der Mehrerauer Wald und der Sennhof mit seinen drei gewaltigen Braiggen, wie im Mittelalter die großen Felder eines Herrenhofs hießen.

Das Vorkloster gehörte nicht nur zum Kloster Mehrerau, sondern es gehörte ihm buchstäblich. Das Kloster war Herr über Grund und Boden und vergab einen Gutteil seiner Besitzungen als Lehen, also zur Leihe unter bestimmten Bedingungen. Ursprünglich waren es Erblehen, die von ihren Inhabern vererbt und veräußert werden konnten. Um 1600 wurden diese Erblehen vom Kloster in Schupflehen umgewandelt, was eine Schlechterstellung bedeutete. Die Lehen konnten nun beim Tod des Inhabers eingezogen und nach Belieben neu vergeben werden. Auf den Lehen lasteten hohe Geldzinse. Die Vorklöstner waren zum Großteil Bauern, die im Auftrag des Klosters dessen Braiggen und Felder bewirtschafteten, sie waren aber auch Fischer, Handwerker und Dienstboten. Alles war ausgerichtet auf die Bedürfnisse der Mehrerau. 1684 fanden sich unter den Mehrerauer Zinsleuten ein Hofmeister, ein Koch, ein Unterkoch, ein Pferdeknecht und Ochsenfütterer, ein Schneider und ein Weber. Neun Zinsleute hatten als Zehentknechte den Wein- und Kornzehent aus der ganzen Bregenzer Gegend einzubringen.

Die bayerische Herrschaft von 1805 bis 1814 bildet eine Zäsur in der Geschichte des Vorklosters. Die Bayern hoben das Kloster Mehrerau 1806 auf und beendeten damit nach 700 Jahren die enge Verbindung des Vorklosters mit dem Kloster Mehrerau. Von der Versteigerung der landwirtschaftlich nutzbaren Böden profitierten die Vorklöstner nur wenig. Sie lebten mehr schlecht als recht von ihren kleinbäuerlichen Betrieben und der Fischerei. 1808 kam das Vorkloster zu der damals neu geschaffenen Gemeinde Rieden. Angesichts der schwierigen Erwerbsverhältnisse waren die ersten kleinen Industriebetriebe sehr willkommen. 1838 richtete der Fußacher Fabrikant Konrad Gysi in der ehemaligen Klostermühle eine Rotfärberei und Stoffdruckerei ein, 1842 die Firma Trampler & Groß im ehemaligen Klostergebäude eine Zichorienfabrik zur Herstellung von Ersatzkaffee. Ein Jahr später wurde auf der Schnabelwiese ein eigenes Fabriksgebäude errichtet (später Bleiche F. M. Hämmerle, heute städtischer Bauhof).

Thomas Klagian

Standort

Galerie

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Zichorienfarbik, Mehrerauerstraße, um 1880

Zichorienfarbik, Mehrerauerstraße, um 1880

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um 1930

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um 1930

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