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Premiere: Odysee – ein Stück (über) Heimat

20:00 - 21:30, 30.04.2019
Theater Kosmos

Mariahilfstraße 29
Bregenz, 6900 Austria

Regie und Stückdramaturgie Philip Jenkins

Das Theater KOSMOS verknüpft in seiner aktuellen Homer-Bearbeitung die unsterblichen Verse der „Odyssee“ mit dem lebendigen Erinnern, Erzählen, Erfahren von BürgerInnen des Stadtteils Vorkloster.

Odysseus. – Er ist Ehemann und Mörder, König und Vagabund, listenreicher Vater und hilfloser Stratege. Er braucht 10 Jahre, um wieder er selbst zu werden und seine Heimat, das Vorkloster mit dem Schiff zu erreichen.

Vorkloster / Bregenz. – Der Ort am anderen Ende des großen Wassers braucht 100 Jahre, um zu dem zu werden, was er nach 100 Jahren ist.

Penelope. – Die Königin arbeitet in einer Wirkwarenfabrik und wartet jeden Abend darauf, dass ihr Mann aus der russischen Kriegsgefangenschaft heimkehrt. Nachts trennt sie das Gewebte wieder auf, um ihm die Treue zu halten.

Telemachos. – Ein junger Königssohn erbt ein Wirtshaus. Der Gast ist König, der Königssohn ist Gastwirt. Bis er mit dem Schiff zu neuen Ufern aufbricht.

Für jeden Mythos gilt, dass er nicht der Realität entspricht und dennoch aus ihr entspringt. Auch die „Odyssee“, diese abenteuerliche und beschwerliche Reise hat nie stattgefunden, und doch findet sie jeden Tag statt. Menschen brechen auf, kehren heim, werden vertrieben, finden ein neues zu Hause, verlassen ihren Wohnort oder werden aufgenommen. Viele sind es, die eine Odyssee hinter sich haben. Manche haben sie noch vor sich. Sie und die anderen, die bleiben oder geblieben sind, sprechen von „Heimat“. Sie haben ein Wort, das für jeden etwas anderes bedeutet. Innerhalb des Projektes erfährt der strapazierte Begriff „Heimat“ eine Neuausrichtung als Chimäre, die Zeit und Wandel unterworfen ist und die doch nie aufhört als Sehnsuchtsort zu existieren und in Dichtung und Wahrheit eine Sogkraft zu entwickeln, die den Menschen alles riskieren lässt.

Mit „Odyssee – ein Stück über Heimat“ stellt das Theater KOSMOS unterschiedliche Welten gegenüber und verknüpft antike Epik mit dokumentarischem Theater. Zunächst verkörpern SchauspielerInnen den Text des legendären Homer über die Abenteuer des Odysseus auf der Bühne. Nach und nach gesellen sich BürgerInnen aus dem Vorkloster zu ihnen. Sie berichten von wirklichen Geschichten aus Vorkloster, erzählen von sich und ihrer Welt. Nach und nach verwandeln sie sich in Figuren der Odyssee. So wächst das Ensemble im Verlauf der Aufführung, und so verwebt sich die Zeit der letzten 100 Jahre Vorkloster mit der Geschichte von vor 3000 Jahren in Ithaka. Die Zeitebenen fließen ineinander, der Mythos erscheint ganz nah, der Alltag als Dichtung.

Das Projekt entsteht zweigleisig. Zum einen gibt es die künstlerische Auseinandersetzung mit dem Text des Homer, die in der dokumentarischen Arbeit gebrochen und gespiegelt wird. Über Wochen werden Gespräche im Vorkloster geführt und Geschichten gesammelt, die in der Probenarbeit mit den Erzählenden zu einem Theaterabend verschmelzen. Der größte Geschichtenerzähler Homer begegnet der größten Geschichtenerzählerin: der sogenannten Wirklichkeit.

Regie: Philip Jenkins

Philip Jenkins wurde 1976 in Heidelberg (Süddeutschland) geboren. Nach dem Studium der Theaterwissenschaften an der Universität Wien wurde er 2001 fester Regieassistent am Burgtheater Wien und arbeitete dort u.a. für Ruedi Häusermann, Einar Schleef, Peter Zadek, Thomas Langhoff, Nicolas Stemann, René Pollesch und Rimini-Protokoll. Ab 2003 erste eigene Inszenierungen in der Nachwuchs-Reihe des Burgtheaters: Die Radiotrinkerin von M. Goldt, Unter dem Milchwald von D. Thomas und Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge von R.M. Rilke. Seit 2005 verschiedene Inszenierungen für das Burgtheater, u.a.: Orlando von V. Woolf, MEZ von R. Schimmelpfennig und Das Leben der Bohème von A. Kaurismäki. Regisseur und Jurymitglied bei den „Werkstatttagen“ 2008 und 2010 am Burgtheater und bei weiteren Autorenprojekten am Volkstheater Wien und am Staatstheater Mainz / uniT Graz. Seit 2010 Inszenierungen für das Volkstheater Wien: Die Fibel von A. Kivirähk, Der brave Soldat schweigt nach J. Hasek und Kindertragödie von K. Schönherr. Am Harztheater Halberstadt u.a. Der Gott des Gemetzels von Y. Reza,

Antigone nach Sophokles, Faust I von J.W. Goethe, Mutter Courage und ihre Kinder von B. Brecht. Ab 2013 die österreichische Erstaufführung von FaustIn and out von E. Jelinek sowie Dr. Jekyll and Mr. Hyde nach R.L. Stevenson und Event von J. Clancy am Schauspielhaus Graz. 2018 am Vorarlberger Landestheater Die Unverheiratete von E. Palmetshofer. 2010 und 2018 Zusammenarbeit mit Rimini-Protokoll für die Projekte 100% Wien und 100% Klagenfurt.

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